individuelle Reiseprojekte
Auf Grundlage der §§ 27, 35, 35a, 41 SGB VIII bieten wir intensive sozialpädagogische Einzelbetreuungen (ISE) an. Die Betreuungen finden 24/7 über einzelne Tage bis zu mehreren Monaten im Rahmen von individuellen Reiseprojekten statt. Generell sind Reiseprojekte in der gesamten Bundesrepublik möglich und folgen grundlegend einer erlebnispädagogischen Orientierung: Learning by Doing.
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Draußen unterwegs beginnt Lernen schon bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben: Zelt auf- und abbauen, Rucksack packen, kochen, wandern – die jungen Menschen kommen aus ihrer Komfortzone und entdecken dabei ungeahnte Fähigkeiten.
Die Reiseprojekte werden je nach Veranlagung und Interessensgebieten gestaltet. Beispielsweise kann eine Wanderung durch handwerkliche Projekte ergänzt werden. Hier steht auf Anfrage ein Garten zur Verfügung oder Bauernhöfe können aufgesucht werden. „Hand gegen Koje” ist dann das Credo. Die jungen Menschen erfahren unmittelbar den Wert ihrer Arbeit und bauen ihre handwerklichen Kompetenzen aus. Das Ergebnis der Bemühungen ist direkt sichtbar, Erfolgserlebnisse greifbar und das Selbstvertrauen wird gestärkt. Gleichzeitig lernen die jungen Menschen, sich in vorgegebenen Strukturen zurechtzufinden und in bestehenden sozialen Gefügen einzuordnen.
Auch ist eine Angelwanderung entlang eines Flusses oder von See zu See machbar. Wandern, angeln, Flora und Fauna eines Ökosystems verstehen lernen und im besten Fall abends den selbst gefangenen Fisch über’m Feuer grillen, sind besondere Erlebnisse. Vor allem für jene Menschen, die bisher wenig Gemeinschaft erfahren haben. Doch Reisen kann mehr sein als Wandern. Mit dem Fahrrad kommt man schneller weiter, sieht, wie die Landschaft sich verändert und die Veränderungen in sich. Auch einen Fluss, wie die Donau oder den Rhein, von der Quelle entlang zu paddeln ist eine besondere Erfahrung – im Fluss sein, zu neuen Ufern. Der Sommer lädt ein, einen See zu durchschwimmen. Und dann ist da noch unser alter Käfer von ’72 – eine Zeitmaschine für Roadtrips zu unbekannten Orten. Darüber hinaus besteht das Angebot einer poesietherapeutischen Begleitung. Schreiben befördert Unbewusstes, Tieferliegendes aufs Blatt. Verhaltensmuster und blinde Flecken werden sichtbar, nachvollziehbar, dadurch bearbeit- und veränderbar. Oftmals erwachen aus schreibenden Reflexionen neue Motivationen und Bewältigungsstrategien.
Unser Ansatz geht davon aus, dass hinter jedem Verhalten ein Bedürfnis steckt. Jede Handlung ist ein Versuch, mit einer Situation umzugehen – auch wenn diese Versuche nach außen schwierig wirken oder kontraproduktiv sind. Deshalb schauen wir genau hin: Was braucht dieser junge Mensch wirklich? Um dieser Frage bestmöglich begegnen zu können bieten wir Clearings, Auszeiten und Kurz-Zeit-Interventionen an.
Bei der Ausgestaltung dieser Angebote orientieren wir uns an den psychologischen Grundbedürfnissen: Sicherheit, Zugehörigkeit, Selbstwert und dem Wunsch, das eigene Leben mitgestalten zu können. In unseren Reiseprojekten betrachten wir die Lebenssituation der Jugendlichen ganzheitlich. Wir schauen uns an, welche Strategien sie entwickelt haben, um mit ihren Erfahrungen umzugehen – und was ihnen hilft oder im Weg steht.
Clearings
- 10–14 Wochen
- intensivste sozialpädagogische Hilfe
- sozialpädagogische Anamnese und Diagnose
- Erstellung eines Hilfekonzepts für die weiterführende Hilfe
- Unterstützung bei der Planung der weiteren Hilfe
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Clearing-Maßnahmen sind auf längere Zeit angelegt: etwa zehn bis 14 Wochen. Dies ermöglicht eine intensive Arbeit. Hier können wir uns jeden Lebensbereich genau anschauen und auf Belastungen, Risiken, Ressourcen und Chancen untersuchen, passende Methoden zur Unterstützung finden und in Zusammenarbeit mit den Klient:innen Bewältigungsstrategien erarbeiten.
Hier ist Raum für eine umfassende sozialpädagogische Anamnese sowie sozialpädagogische Diagnose, die als Grundlage dient, um im Anschluss eine passende Hilfe zu finden. Dieses Angebot bietet sich an, für Jugendliche, die (häufig) jahrelang von einer in die andere Hilfe kamen, viele Beziehungsabbrüche und Zurückweisung erlebten, die ein belastetes Selbstbild aufbauten und belastende Verhaltensweisen festigten. Ihnen soll eine Auseinandersetzung mit sich selbst ermöglicht und einen Umgang mit den persönlichen Schwierigkeiten erarbeitet werden, um in einem passenden Umfeld anzukommen.
Auszeiten
- 4–9 Wochen
- sozialpädagogische Anamnese und Diagnose
- Perspektivenentwicklung
- Unterstützung bei der Planung weiterer Hilfen
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Dieses Angebot entspricht einer Auszeit von etwa vier bis neun Wochen. Sie sind den Clearing-Maßnahmen ähnlich, bedingt durch die kürzere Zeit jedoch weniger umfangreich.
I. d. R. bieten sich Auszeiten für Jugendliche an, die in einer bestehenden Struktur allgemein zurechtkommen, jedoch in bestimmten Bereichen wiederholt auffällig werden – bspw. im Umgang mit Regeln und Vereinbarungen, gepaart mit einer leichten Reizbarkeit.
Häufig drehen sie sich mit ihren Schwierigkeiten im Kreis, sie finden sich zwar zurecht, kommen aber nicht vorwärts. Hier kommen sie raus.
Draußen sehen sie Anderes und anders auf sich selbst, entdecken Unbekanntes und gewinnen neue Ideen und Perspektiven zur Lebensgestaltung. In diesem zeitlichen Rahmen sind eine sozialpädagogische Anamnese sowie eine Perspektivenentwicklung möglich.
Kurz-Zeit-Interventionen
- bis 3 Wochen
- Pause vom Alltag und/oder Übergang von einer Hilfe zur Anderen
- Reflexion und Impulse
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Kurz-Zeit-Interventionen eignen sich um mal für wenige Tage bis etwa drei Wochen herauszukommen, etwas Anderes zu sehen, erleben, zu spüren und sich in einer fremden Umgebung neu kennenlernen. Kurz-Zeit-Interventionen bieten sich an als Überbrückung von einer Hilfe zur Anderen oder als Krisenintervention, bspw. auf einer Paddel- oder Angeltour, oder um das in früheren Projekten Gelernte zu vertiefen, wie bei einem längerem Schreibprojekt.
Da dieser Zeitraum zu kurz ist, um eine belastbare Beziehung aufzubauen, richtet sich dieses Angebot an bereits bekannte Jugendliche oder nicht bekannte Jugendliche, die keine schwerwiegenden Verhaltensauffälligkeiten entwickelten, jedoch im Gruppensetting nicht zurechtkommen und eine engmaschige Betreuung benötigen.